Präsentation: Monolog oder Dialog?

Die Präsentation wird heute allgemein als die Wunderwaffe für den beruflichen oder wirtschaftlichen Erfolg angesehen. Mit der Chance, vor einem Entscheider-Gremium sich selbst oder ein Angebot präsentieren zu können, steigt die Wahrscheinlichkeit auf die Durchsetzung der eigenen Ziele signifikant an. Entsprechend konzentrieren sich alle Kommunikationsratgeber darauf, möglichst clevere Tipps für eine erfolgreiche Präsentation zu geben: Von der Raumbesichtigung und Prüfung der Präsentationstechnik über den Einsatz von Bildmaterial bis zur verbalen Schlagfertigkeit bei Zwischenrufen reicht die Bandbreite dessen, was in diesem Bereich angeboten wird.

Wer in Sachen Präsentation noch nicht so erfahren ist, saugt diese sogenannten ultimativen Big Points voller Wissbegier auf, um danach festzustellen, dass alles gleichzeitig wohl in der knapp bemessenen Zeit für die Präsentation nicht angewendet werden kann. Profis wiederum haben sich die ganze Angelegenheit vereinfacht, indem sie auf die Optik ihrer Folien setzen und jede Präsentation nach dem gleichen Prinzip aufbauen. Was sie jedoch alle übersehen ist die Tatsache, dass weder Allerwelt-Tipps noch das betextete Bild an der Wand die Struktur einer Präsentation ersetzen können. Der Vortragende muss vorrangig klären, welche Form der Präsentation die angemessene ist – in Hinsicht auf das Thema, die Zielgruppe, den Rahmen und in Bezug zu seiner eigenen Persönlichkeit. Als grundlegende Variante muss er dabei zwischen Monolog und Dialog wählen.

Warum ein Monolog nicht automatisch langweilig sein muss

Es ist selbstredend klar, dass Monolog oder Dialog bei der Präsentation als offene Formen gesehen werden müssen, d.h. der Einschub von Elementen einer Variante bei der anderen muss immer möglich und auch vorbedacht sein. Nichts ist unangenehmer als ein Referent, der den Eindruck erweckt, eine vorgefertigte Sichtweise ‚durchdrücken‘ zu wollen. Diese Empfindung ist unweigerlich mit einem Monolog verbunden, wenn der Vortragende nicht über die richtigen Mittel verfügt, z.B. über eine ausgeprägte Rhetorik, mit der er die Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. Erfahrungsgemäß sind solche Talente rar gesät. Trotzdem sucht die Mehrzahl der Referenten sogar den Monolog, um nur die Präsentation heil über die Runden zu bringen. Die Vorteile für den Referenten sind unübersehbar: Er zeigt seine vorbereiteten Inhalte her und muss diese nur in dem Maße interpretieren, wie er es selbst festlegt. Er muss sich nicht mit weiterführenden Dimensionen beschäftigen und sich auch keinem Widerspruch stellen. Das gibt vor allem demjenigen Sicherheit in der Präsentation, der sich nur an der eigenen Struktur entlang durch das Thema hangeln kann. Der Leitfaden dafür ist Standard an jeder Bildungseinrichtung.

Diese Methodik ist jedoch nicht nur als Ausgleich für das eine oder andere persönliche Manko geeignet, sondern kann auch ideal zum Inhalt und zur Zielgruppe passen. Dies ist z.B. der Fall, wenn die Ausgangssituation klar ist und es ’nur‘ um den besten Lösungsweg geht. Dann bestimmen vor allem fachliche, finanzielle oder logistische Aspekte die Entscheidungsfindung. Der Referent liefert eine Entscheidungsvorlage, die durch ihre Logik überzeugt. Die Diskussion wird automatisch nach hinten verlagert und findet meist ohne den Referenten statt.

Warum der Dialog die bessere Variante für die Präsentation ist

Nehmen wir den Faden gleich auf: Die dialogorientierte Präsentation legt es geradezu darauf an, in die Entscheidungsfindung einzugreifen. Diese Vorgehensweise zielt darauf, mögliche Bedenken, wie sie im Anschluss am Tisch des Entscheider-Gremiums auftauchen können, schon im Rahmen der Präsentation zu entkräften. Alles, was bereits während des Vortrags durch die Abwägung von Argumenten geklärt worden ist, entfällt als Einwand. Gleichzeitig ist es möglich, Vorteile, die von den Zuhörern nicht gleich erkannt und nachgefragt werden, exakt zu benennen. Die Gefahr, dass ein solcher Fall eintritt, ist größer, als es sich die vortragenden Fachleute vorstellen. Viele spezielle Aspekte müssen erst in eine allgemeine Dimension übersetzt werden, um auch richtig verstanden zu werden.

Die Vorteile der interaktiven Präsentation liegen zum einen darin, dass die Zuhörer die vorgestellte Lösung innerlich mit nachvollziehen können und sie dadurch als das Ergebnis ihres eigenen Denkens ansehen. Zum zweiten schafft der Dialog eine emotionale Verbundenheit. Die gemeinsame Erarbeitung eines Themas schafft ein Verpflichtungsgefühl für die Umsetzung. Wenn die Präsentation zum (wenigstens gefühlten) gemeinsamen Erarbeitungsprozess wird, wirkt sie motivierend. Das Zauberwort heißt intrinsische Motivation – sie hat nicht die erwarteten Konsequenzen im Auge, sondern findet Befriedigung in der Ausführung des Prozesses selbst. Die dialogorientierte Präsentation führt zu einem Flow-Erlebnis, das die Einschätzung des Ergebnisses positiv beeinflusst. Ein solches Ergebnis ist nicht mit Bilderfluten oder Hochglanzmappen zu erreichen, sondern nur durch das gezielte Eingehen auf die Befindlichkeiten der Entscheider in Bezug auf das Thema der Präsentation.

Fazit:

Die dialogorientierte Präsentation erhöht die Erfolgschancen eines Vortrags noch einmal erheblich. Sie ist insbesondere angezeigt, wenn

  • das Thema mit weiterführende Aspekten versehen ist
  • der Inhalt für unterschiedliche Entscheider-Persönlichkeiten aufbereitet werden muss
  • es um individuelle Lösungen für ein Unternehmen, einen Verband oder eine Behörde geht.

Quellen:
http://wirkt.de/visualisierung-ein-bild-sagt-mehr-als-tausend-worte/
http://www.focus.de/finanzen/experten/schmidt/richtig-praesentieren-sieben-tipps-fuer-die-perfekte-praesentation_id_3581981.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/forscher-warnen-vor-powerpoint-praesentationen-13041967.html
http://www.slm.uni-hamburg.de/iaas_slf/Materialien/037.pdf
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/intrinsische-motivation.html